Zu den Dünen auf der Kurischen Nehrung

Die Kurische Nehrung ist ein schmaler ca. 100 Km langer Streifen Land der sich von der Mündung der Memel in die Ostsee bei Klaipeda bis nach Kaliningrad erstreckt. Gut die Hälfte davon gehört zu Litauen und kann es spielend mit jedem italienischen Strand aufnehmen – Andrang und Preise betreffend. Alleine die Überfahrt von Klaipeda, wiewohl nur ca. 500 m Fährfahrt kostet 23 €, dann kommen 50 € Eintritt für den Nationalpark dazu und der Campingplatz war auch der teuerste bisher und fühlt sich an wie in Rimini – so ist das halt dort wo alle hin wollen, dafür muss es Gründe geben…

Auf dem Weg nach Nida, dem letzten Ort vor der russischen Grenze fährt man meist durch schöne Kiefernwälder und kommt durch ein paar Ortschaften, z.B. Joudkrante, wo sich wieder ein feines Fischrestaurant findet, das hinter dem Haus einen eigenen Garten hat, auf dem die Beilagen angebaut werden. Hier gibt es auch einen Hexen-Wanderweg durch die Kiefernwälder, entlang dessen zahlreiche Holzhexen und andere schräge Geister aufgestellt sind.

Auf dem Weg nach Nida, dem einzigen Campingplatz im Nationalpark, haben wir im nächsten Dorf geräucherten Fisch für’s Abendessen erstanden und dabei eine neue Fischart kennengelernt, den Finten.

Nachdem der Camper in dem dichten Wald auf einem freien Platz eingefädelt war, sind wir hinauf zur großen Düne gewandert, die erst von oben als solche richtig zu erkennen ist, denn große Teile sind unter Vegetation verborgen. Vom Gipfel sieht man rüber nach Russland wo entfernt eine Radarstation zu erkennen ist und auch sonst merkt man die Nähe zu Kaliningrad – obwohl 360° freie Sicht zum Himmel, ist das GPS Signal merkwürdig instabil. Schon in Kaunas wurden wir vom nervtötenden Pfeifen der litauischen NINA Variante geweckt – eine Drohne war von Belarus bis über Vilnius geflogen und ist dann wohl abgestürzt und noch nicht gefunden worden.

Nur ein kleiner Teil der riesigen Dünenlandschaft ist frei zugänglich, aber schon wenige Meter vom Gipfel entfernt sind wir alleine und stapfen angestrengt auf dem sandigen Pfad, einmal im großen Kreis. Der Weg führt auch hinunter ans Haff, das auf der windabgewandten Seite spiegelglatt daliegt, leider eine grün-algige Brühe, so kommt keine rechte Lust zum Baden auf. Aber morgen gibt es ja noch den endlosen Ostsee-Strand auf der anderen Seite zu erkunden. Ob der Fuchs wild war oder ein abgerichteter russischer Grenzschützer – man wird leicht misstrauisch hier.

Am Kurischen Haff angekommen

Nach einem kleinen Einkauf im verregneten Jurbarkas geht es durch große Wälder auf sehr welliger Landstraße weiter nach Westen, der Sonne entgegen, sofern sich das Regenradar nicht irrt. Erster Halt, schon fast aus dem Regen, ist eine ungewöhnliche Kombination aus Storchenkolonie und Freilichtgalerie, ungeklärt, welche der Attraktion hier zuerst war. Die Bilder von unterschiedlichen Malern sind bewusst der Witterung ausgesetzt. Viele der Werke sind wirklich kreativ mit dem Setting in der Wiese verbunden. Die Storchenkolonie gleich nebenan ist in zweifacher Hinsicht bemerkenswert, erstens, weil Störche normalerweise nicht in Kolonien brüten und zweitens weil sie die Nester in Kiefernwipfeln erbaut haben und nicht auf zivilisatorischer Infrastruktur. Die Jungvögel sind im Prinzip flügge, lassen sich aber noch füttern, klappern gehört zum Handwerk…, solange die Alten noch mitspielen. Die Memel, die nur wenige 100 Meter südlich von uns fließt, bildet hier die Grenze zu Russland/Kaliningrad, – völlig unauffällig und doch etwas gruselig.

Noch ein paar Kilometer und ein Moor lädt zu einem kleinen Spaziergang auf einem nett angelegten Holzbohlenweg ein. Der Blick geht sehr weit, aber am Horizont sieht man auch die Bagger den Torf abbauen, also ein etwas zweifelhaftes Vergnügen.

Für’s Mittagessen steuern wir ein Fischlokal an, welches direkt neben großen Fischteichen erbaut wurde, wir wählen aus den vielen Karpfensorten einmal den Graskarpfen und ich lieber den Wels, eine kulinarisch ganz hervorragende Wahl, wie sich herausstellt.

Nun sind es nur noch wenige Minuten Fahrt zum Haff, wo wir einen Verdauungsspaziergang machen und den Windsurfern zuschauen, die bei dem strammen Westwind ideale Bedingungen vorfinden. Auch die Sonne lässt sich blicken und bis zum Abend wird der Himmel fast wolkenlos werden. Letzter Stopp des Tages ist der kleine Leuchtturm Ventes, dessen Gebäude mittlerweile als ornithologische Forschungsstation genutzt werden. Mit großen Netzen können Zugvögel zu Forschungszwecken gefangen werden. Die Schwalben allerdings nutzen das Dach, ohne der Forschung dienlich zu sein.

Der Campingplatz Ventaine, mit perfektem Rasen und wenigen anderen Campern liegt grandios am Ufer des Haffs mit weitem Blick auf die Kurische Nehrung, die wir morgen besuchen werden. Unzählige Muscheln und Schneckenhäuser sind noch nicht zu Sand zermahlen und füllen in knirschenden Haufen den Strand.

Heute genießen wir zum Nachtisch nur noch ein Bier und den Sonnenuntergang hinter der Kurischen Nehrung.

Memelland

Am Vormittag fahren wir das kurze Stück zurück nach Trakai, einem Touristen-Hotspot in Litauen. Direkt hinein ins Zentrum mit dem Camper ist schon etwas gewagt, aber die hohen Parkgebühren (praktisch wie in München) lassen uns sofort einen passenden Platz finden, praktischerweise über ein App zu zahlen, bei der man einfach Start und Ende der Parkzeit mit einem click bestätigt und mit noch einem click bezahlt – dann muss man sich nicht vorher festlegen, wie lange man bleiben will, funktioniert angeblich im ganzen Baltikum.

Hauptattraktion ist die Wasserburg Trakai, in Litauen in ihrer historischen Bedeutung vielleicht vergleichbar mit Schloss Herrenchiemsee und entsprechend gut besucht. Die Burganlage wurde im 15. Jahrhundert in einem See erbaut, war im Laufe der Zeit ‘ruiniert’ worden und wurde ab dem 20. Jhd. sukzessive wieder aufgebaut und ist auch aktuell teilweise eingerüstet um die Dächer neu zu decken.

Im Inneren der Burg findet sich, über viele Räume verteilt, ein Museum mit Relikten aller Jahrhunderte, die man in dieser Burg gefunden hat oder die thematisch hierher passen. Die museale Aufarbeitung ist leider sehr altbacken, man wünscht sich etwas mehr Führung und Einordnung, nicht nur schwach beleuchtete Schaukästen. In Erinnerung bleibt uns aber eine originelle Pfeiffensammlung.

Nach dem Rundgang durch die Burg trifft es sich perfekt, dass in wenigen Minuten eine Rundfahrt über den See mit seinen vielen Inseln angeboten wird. Wir sind dabei, auch wenn der Magen um 13:00 mangels Frühstück anderer Meinung ist.

Zurück von der Bootstour ist es aber nicht weit bis zu einem Karäischen Spezialitäten Restaurant. Karäer waren eine jüdische Sekte auf der Krim, die vom Großfürsten als Palastwachen für sein Schloss Trakai angeworben wurden. Kulinarisch handelt es sich um variantenreich gefüllte und dann gebackene Teigtaschen, Kibinai. Die ‘Altstadt’ besteht aus zahlreichen bunten, etwas abgeblätterten Holzhäusern, mit drei Fenstern zur Straße, eins für den Hausherrn, den Fürsten und den Herrgott. Für den Cappuccino wählen wir uns dann das ‘Schokoladenmuseum’ mit seinen vielen Pralinensorten aus.

Dann fahren wir zurück Richtung Kaunas und anschließend auf einer landschaftlich sehr schönen Landstraße entlang der Memel (Nemunas), wo wir auf einem Rastplatz direkt am Wasser für die Nacht parken, da werden wir die einzigen bleiben. In der Dämmerung schwimmt was merkwürdiges in der Memel, ein Wurzelstock? Mit dem Fernglas entpuppt es sich als Kopf eines Hirschs oder kleinen Elchs mit jedenfalls großen Ohren, der die hier bestimmt 300 Meter breite Memel durchschwimmt und lebend am anderen Ufer ankommt, erstaunlich!

Nicht ein einziges Mal nass geworden

Heute gab es 6 mal Regen, manchmal wie aus Kübeln und trotzdem sind wir, dank Regenradar und perfektem Timing nicht ein Mal nass geworden. Schon die ganze Nacht hatte es geregnet, zum Frühstück kam die Sonne raus und um 10 Uhr waren wir die ersten und lange Zeit einzigen Besucher im litauischen ethnographischen Museum, also im Prinzip wie ‘Glentleiten’. Auf einem riesigen Terrain verteilen sich wieder aufgebaute Bauernhäuser aus vergangenen Jahrhunderten. Leider waren fast alle Texte nur auf Litauisch und gerade die interessante Windmühle enthielt überhaupt keine Erläuterungen zu der Funktionsweise der Mühle. Nach einem großen Rundgang durch mehrere Ensembles, die teilweise zur Besichtigung offen standen (allenfalls ‘bewacht’ von stummen, fast stoischen Litauerinnen), kehrten wir, dem Regenschauer entkommend, in das hübsch eingerichtete Dorf-Café ein und bestellten landestypische Zeppeline (praktisch ein länglicher Kartoffelknödel mit Fleischfüllung und Speckstückchen darüber gestreut) und sowas ähnliches wie Spare Ribs. Trotz Übersetzung mit Google Lens ist es ein Überraschungspaket, was dann serviert wird – aber wir wurden nicht enttäuscht. Während wir es uns schmecken ließen, füllte sich das Lokal mit nassen Touristen. Als die Sonne wieder hervorkam, hatten wir den Kaffee auch schon getrunken und besahen uns weitere Bauten, Kirche, Schule und ehemalige Geschäfte.

Dann begann ausnahmsweise das Programm des Gatten: 1 kostenlose Fahrstunde für die Gattin bis zum nächsten Campingplatz, ca. 80 Kilometer, angefangen mit dem Einparken auf dem Supermarkt, einigen Kilometern Autobahn, garniert mit Starkregen und Baustellen, dann eine schmale Landstraße und noch ein Stück Waldweg bis zum ‘schönsten Campingplatz Europas’ (zumindest laut Google Bewertung). Bei Sonnenschein haben wir auf einer ebenen, saftigen Wiese in einer Waldlichtung nebst einem Teich einen wirklich perfekten Platz gefunden.

Als alles eingerichtet war, begann es wieder zu kübeln, nur das Handy wurde nass, hat es aber überlebt. Unser nächstes Ziel morgen wird die Wasserburg von Trakai sein, die soll ja regelmäßig gewässert werden. Das wird über Nacht fortgesetzt…

Teuflisches Kaunas

Nach einer ruhigen Nacht und einem gemütlichen Frühstückskaffee auf der großen Wiese des Campingplatzes fahren wir ca. eine Stunde nach Kaunas, der zweitgrößten Stadt Litauens. Auf dem großen, zentralen Parkplatz findet sich leicht ein Stelle, wo wir so einparken können, dass niemand behindert ist. Dann geht es zu Fuß weiter in die Innenstadt, die vielleicht die längste Fußgängerzone Europas hat. Gleich zu Beginn schauen wir in die Kathedrale Peter&Paul, in der gerade Messe ist und die so gut besucht ist, wie bei uns nur an Weihnachten. Die helle, mit kräftigen Farben dekorierte Kirche ist wirklich ein einladendes Gotteshaus, anders, als ich unsere Kirchen oft düster empfinde.

Weiter geht es in Richtung einer Brunch-Bar, wo wir ein feines Egg Benedict zu frisch gepresstem Orangensaft wählen und es derweil sonniger und deutlich wärmer wird. Wir schlendern weiter durch die Fußgängerzone durch einen Nebelbogen gegen die Hitze und weiter zum Teufelsmuseum, dem angeblich größten seiner Art weltweit. Weil Sonntag ist und der Teufel frei hat, ist der Eintritt kostenlos. Die zahlreichen Exponate aus allen Herren Länder sind selten wirklich furchteinflößend und manchmal eher kreativ-witzig.

Nächster Stop ist das Militärmuseum, nicht wegen seiner Sammlung, sondern wegen eines für 16 Uhr angekündigten Glockenkonzerts aus 49 Glocken aus einem schlichten Turm neben dem Museumsbau. Punkt vier Uhr geht es los, allerdings anders als erwartet tritt eine Formation von Gardeoffizieren an, um zu Marschmusik zum Monument des litauischen Freiheitskampfes zu marschieren und eine Fahne einzuholen. Dieser Krieg fand Anfang der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts statt und die Gardeoffiziere könnten fast daran teilgenommen haben… Dann folgt doch noch das Glockenspiel.

Um einen Überblick über Kaunas zu bekommen erklimmen wir einen Hügel mit einer weiteren mächtigen Kirche oben drauf, Christi Auferstehung, der man auf’s Dach steigen kann. Gute Sicht rundum, aber spektakulär ist anders. Noch eine Kirche springt ins Auge, die des Erzengels Michael, ein russisch orthodoxes Bauwerk.

Durch die kilometerlange Fußgängerzone geht es zurück zum Parkplatz, auf dem Weg finden wir ein georgisches Restaurant in dem wir sehr lecker zu Abend essen. Dann ist es noch eine halbe Stunde Fahrt zum bedeutendsten ethnographischen Museum Litauens, auf dessen Parkplatz wir das Nachtlager aufschlagen, um es morgen zu besichtigen.

1500 Kilometer bis Litauen, geschafft

wir waren die Vorletzten, die den Campingplatz verlassen haben, aber immerhin eine Stunde früher als gestern – wobei, wenn man die Zeitverschiebung nach Litauen schon mal einpreist, war es spät wie immer. Nach dem Einkauf im örtlichen Supermarkt sind wir schnell wieder auf der Autobahn. Bis Warschau ist es nur noch eine knappe Stunde. Im Großraum der Hauptstadt wird der Verkehr wie erwartet sehr stark, vielleicht auch ‘Wochenende in die Datscha Verkehr’, und wir stehen wieder eine Weile im Stau. Ohne eine Warnung fehlt plötzlich auf der halben Autobahn der Asphalt und auf der mittleren Spur fährt man ein wenig schief. Das wäre für sich kein Problem, wenn nicht das Ende der Fräsung hart wie ein Bordstein unvermittelt quer zur Fahrbahn liegt in das die rechten Räder bei Tempo 100 rein krachen – zum Glück ohne zu platzen, alles etwas gröber hier.

Nach ungefähr der halben Fahrzeit geht es wegen einer Baustelle einige Kilometer auf der Landstraße weiter, das gibt die Gelegenheit ein nettes, klimatisiertes (!) Cafe zu finden, in dem wir etwas auskühlen, denn draußen hat es mindestens 30°. Ab hier ist die Autobahn fast leergefegt, die Landschaft wird etwas abwechslungsreicher, mit ein paar Hügeln und ab und zu schütten die schönen weißen Wolken kräftige Schauer nach unten – ein paar Windräder stehen in der Landschaft, sonst könnte man sich glatt im Voralpenland wähnen.

Google vermeldet eine Sperre auf der Autobahn in Richtung Kaunas und leitet uns über einen anderen Grenzübergang nach Litauen. Es geht über eine abwechslungsreiche Landstraße die erst schmal, dann schmäler und schließlich ein einspuriger besserer Feldweg wird. Traktoren mit Erntemaschine kommen uns entgegen und wir haben Zweifel, ob das nicht irgendwann einfach im Wald endet. Die ‘Grenze’ liegt tatsächlich mitten im Wald und dort steht ein halbes Dutzend schwer bewaffnete GrenzschützerInnen auf einem Forstweg und winken uns freundlich weiter. Natürlich kann man da kein Foto machen, obwohl diese surreale Szenerie das wirklich wert gewesen wäre. Kurz danach endet der schmale Asphalt und weiter geht es auf Wellblech-Schotter. Solch aberwitzige Grenzübergänge kennen wir aus Panama und Nicaragua, aber in Europa… Irgendwann kommt wieder etwas Asphalt, dann eine Straße, dann eine Straße mit Mittelstreifen und dann eine Straße mit Nummer nach Marijanpole und dann sind wir schon am Ziel, ein an einem See gelegener hübscher, bestens organisierter Campingplatz. Die erste Aktion in Litauen – in dem pisswarmen See baden gehen, hätten wir auch vorher nicht vermutet.

Fahrn, fahrn, fahrn auf der Autobahn

Am späten Vormittag im Baumarkt eine Kabeltrommel erstanden, denn die im Camper befindliche Spezialversion passt nicht zum polnisch/baltischen Standard. Im Camper habe ich noch ein verborgenes Staufach gefunden, darin war der Wasserschlauch und viel Platz für Sachen, die wir lange oder gar nicht brauchen werden.

Auf der Autobahn reihen wir uns gegen halb 12 in eine endlose LKW-Kolonne ein – es scheint, als sei die A4 die eine Versorgungsader für ganz Polen, das Baltikum und die Ukraine noch dazu. Das geht so bis Breslau aber auch danach bleibt der Verkehr dicht und ein paar Baustellen führen zu langen Staus. Insgesamt kommen wir viel langsamer voran als gedacht, in 6 Stunden gerade mal 400 Kilometer. Nach über 1000 Kilometer müssen wir das erste Mal tanken, der Citroen verbraucht 7.5 L/100Km, was für Gewicht und Größe des Fahrzeugs doch recht passabel ist.

Unser Campingplatz der Wahl heißt Bumerang, liegt wunderschön am Ortsrand in einer Streuobstwiese mit weitem Blick über die Felder und einem Storchennest als spezielle Attraktion. Die beiden fast ausgewachsenen Jungvögel lassen sich das Maul vollstopfen und zanken sich um eine Schlange, die die Elternvögel serviert haben. Bei uns besteht das Abendessen aus gut portionierbaren Nudeln, insofern kein Grund zu streiten. Der Platzwart kommt mit einem Golfcart vorbei, spricht sehr gut Deutsch und erzählt von früher und was man so erlebt mit den durchreisenden Touristen, die bis zum Abend den Platz unerwartet gut gefüllt haben, ein reges Treiben aus vielen Ländern. Ein Paar mit kleinen Kindern und einem ebenso kleinen Camper ist schon zum dritten Mal zu Gast und da, so erläutert der Platzwart, erkenne man den tieferen Sinn des Namens ‚Bumerang‘.

Danke Minister Dobrindt

Nach einer kleinen Führung durch Bischofsgrün, mit Fokus auf den Bäcker, gibt es ein kleines Frühstück bei Uschi und Martin. Wir inspizieren gegenseitig unsere Camper und stellen fest, dass sie eigentlich ganz ähnlich sind, bis auf kleine, aber wichtige Details. So bekommen wir ein USB Ladegerät, welches wie eine Lampe in die Stromschienen eingeclickt wird – sehr praktisch! Ein weiteres Problem gelöst: Mit Martins Werkzeug unsere Hängerkupplung nur minimal umgebaut, damit die Hecktüren aufgehen, auch ohne Fahrräder und Träger jedes mal demontieren zu müssen. So gegen Mittag fahren wir los, erstmal in die falsche Richtung, wie das so ist, wenn das persönlich Navi meint, es besser zu wissen als Google.

Auf schönen Landstraße fahren wir durch das Fichtelgebirge wieder zur Autobahn Richtung Dresden, dort ist viel Verkehr, aber fast keine Baustellen oder Staus.. Einige Kilometer vor der polnischen Grenze kündigt sich der Grenzkontrollenstau an. Da geht man doch besser vorher noch mal pinkeln auf dem nächsten Autobahnparkplatz – wie sich zeigt, ein magischer Ort. Minuten nach unserer Ankunft parken zwei Plätze weiter die Schwiegereltern unserer Tochter, Annett und Ulf ein. Es gibt Zufälle, die eigentlich keine sein können, dass muss jemand in den Lauf der Welt eingegriffen haben… Die beiden sind auf dem Weg nach Polen zu einem kurzen Urlaub. Man kann auf einem Autobahnrastplatz so viel Spaß haben, mit Eiskaffee und Karotten!

Kurz vor der Grenze fahren wir in Bautzen zur Zulassungsstelle und besorgen uns im Handumdrehen das fehlende Kennzeichen für den Fahrradträger, dann stehen auch wir im Stau und fluchen über die schwachsinnigen Grenzkontrollen, die zumindest auf polnischer Seite nur eine Fahrbahnverengung sind – die Leidtragenden sind vor allem polnische Fahrzeuge. Aber hätte Herr Dobrindt das nicht provoziert, dieses magische Treffen auf dem Parkplatz hätte nur in einer Parallelwelt stattgefunden.

Während der Fahrt beschließen wir, wie Annett und Ulf, ebenfalls in Bunzlau zu bleiben und finden einen kleinen, neu eröffneten Campingplatz, der ein paar Kilometer außerhalb auf einer hübschen Waldlichtung angelegt ist. Sehr herzlich werden wir eingewiesen und mit einem passenden Stromkabel versorgt. Jetzt kommen unsere Mountainbikes zum Einsatz und wir rollen auf Feld- und Waldwegen bergab zurück nach Bunzlau, zum gemeinsamen Abendessen auf dem Marktplatz in einem leckeren polnischen Lokal. Hier sind scheinbar so wenige Touristen unterwegs, dass es die Speisekarte nur auf Polnisch gibt und wir mit Google Lens übersetzen müssen. So verlängern wir das Rastplatzwunder noch bis in die Dämmerung und strampeln ohne Licht durch den Wald wieder hinauf zu unserem Schlafplatz.

Der Marktplatz von Bunzlau (Boleslawiec)

Los geht’s

Der Tag beginnt mit einem sehr spartanischen Geburtstagstablett mit Kaffee (wie allerdings jeden Tag) im Bett anlässlich Susi’s 40. (Insider für Nerds). Am Vormittag gab es einen Ortstermin mit dem Oberbürgermeister, der sich gerade noch so in den komplexen Tagesablauf integrieren ließ, denn wir wollten ja punkt 12 in Trudering unseren Camper abholen. Das hat auch geklappt und die Übergabe war recht schnell erledigt, denn der etwas hemdsärmelige Vermieter war bald mit den Erklärungen zum Wohnmobils durch und schon nach einer Stunde waren wir auf dem Rückweg in die Klugstraße, wo es natürlich keinen Parkplatz für so ein 6m Schiff gibt. Also stelle ich die Schüssel vor der Haustür ab, die Feuerwehreinfahrt bleibt gerade noch frei und normal beleibte Fußgänger kommen auch noch zum Hauseingang durch. Seit einer Woche ist der Aufzug kaputt und natürlich ist auch heute niemand zur Reparatur gekommen, also musste ich alles selber hinuntertragen, was nicht so schlimm war, wie das zahlreiche Hinaufsteigen in den 3. Stock für die nächste Ladung. Nach zwei Stunden ist alles im Auto und der anfängliche Eindruck, dass die Hälfte der vorbereiteten Sachen zuhause bleiben muss bestätigt sich nicht, es passt tatsächlich alles rein. Wir sind startklar – es gab während dieser äußerst kritischen Missionsphase weder Missverständnisse noch Meinungsverschiedenheiten, was entweder am Geburtstag lag oder an einer zunehmenden Altersmilde.

Die Fahrt nach Bischofsgrün im Fichtelgebirge war von zahlreichen Baustellen spürbar in die Länge gezogen, aber wir waren nicht zu spät bei Uschi und Martin, die uns in ihrem toll renovierten Haus mit Garten einen perfekten Grillabend bereitet haben. Bischofsgrün hat praktischerweise einen speziellen Parkplatz für Camper keine 100 Meter schräg gegenüber unserer Freunde.

Hello world!

Morgen geht es los, schlag 12 schlagen wir in Trudering auf und holen unseren Camper ab, den wir für 35 Tage gemietet haben!

Das Gepäck steht in diametralem Kontrast zu unserer letzten großen Reise, da waren es 4 Packtaschen und zwei Körbe für den Gepäckträger. Jetzt dürfte es ungefähr das 10fache Volumen sein, Ikea-Taschen, mehrere 80 Liter Kunststoffwannen, Rucksäcke, etc. , natürlich auch die Fahrräder, die nicht mehr aufs Bild passen. Wir sind gespannt, ob das alles reinpasst, wahrscheinlich um den Preis, dass keine Tür mehr geöffnet werden kann, ohne dass etwas rausfällt.

Um Missverständnisse zu vermeiden, Bett und Tisch bleiben zuhause.