Wie wir auf unserer über 2,5 Std. langen, durchaus erschöpfenden, free walking Tour erfahren haben, ist Litauen, diametral anders als die anderen baltischen Staaten, zutiefst katholisch und darin eng verbunden mit dem polnischen Nachbarn. Die katholische Kirche hat in Litauen offenbar keine Kritiker und andere Religionen spielen nur eine marginale Rolle. Dies, so erläutert unserer Führerin, hätte seine Wurzeln darin, dass viele Pfarrer die Unabhängigkeitsbewegung Litauens aktiv und mit hohem Risiko für das eigene Leben in ihren Gemeinden unterstützt haben. Missbrauchsfälle hätte es andererseits in Litauen nicht gegeben.
In Vilnius sind unglaublich viele Kirchen erbaut worden, alle Baustile, die es in Europa so gibt, finden sich hier auch versammelt. Besonders hervorzuheben ist z.B. die Backsteingotik, die in der Kirche St. Anna meisterhaft inszeniert ist. Die Nachbarkirche, 5 Meter neben dran, im gleichen Stil, ist schon ziemlich renovierungsbedürftig, die Fresken sind weitgehend verblichen, aber es gibt himmlischen Beistand, ein Engel ist mit der Malerrolle dicht an den ärgsten Stellen zugange.




Erwähnenswert ist noch der Glockenturm, der einstmals ein Wehrturm der Burg war und dann eine frühe Form des Upcyclings erfahren hat. Andere Kirchen sind besonders fein herausgeputzt, wie z.B. die Johanneskirche in der Universität oder die Kirche der hl. Katharina mit einer rot-weißen Fassade.



Die Krone der Kasimirkirche, ein Hinweis auf den Großfürsten, leuchtet in der Abendsonne. Die Kreuze obenauf haben zahlreiche Verzierungen und konnten so geschickt an die politischen Machthaber angepasst interpretiert werden.


