Der Tag beginnt mit dem wohlvertrauten Geräusch von Rasenmähern bzw. Motorsensen, die im Baltikum bei jedem Wetter im Einsatz sind, so auch heute obwohl es regnet.
Die Gegend um Birzai ist bekannt für seine Dolinen, Trichter im eingebrochenen Karstgestein. Manche davon haben sich mit Wasser gefüllt und bilden eine zerklüftete Seenlandschaft. Zur besseren Übersicht hat sich auch diese Gemeinde einen spektakulären Aussichtsturm errichten lassen – mit einem solchen markiert man im Baltikum einfach seine Potenz im Abgreifen von EU Subventionen. Aber auch die Schwalben schätzen solche Bauwerke, bieten sie doch zahlreiche Nistplätze und hinterher sieht selbst die beste Architektur beschissen aus.




In Vilnius steuern wir einen Campingplatz an, der eigentlich nur der Parkplatz eines Hostels ist und ziemlich zentral in der Stadt auf einem (der vielen) Hügel liegt. Google weiß zwar den Weg dahin, aber nichts über die rauen Sitten im Verkehr dieser Großstadt. Als wir endlich die steile Einfahrt erreicht haben und vor der geschlossenen Schranke stehen, ahnt man ob der Enge schon, dass das keine gute Idee war und natürlich ist alles ausgebucht. Die Alternative, ein schnöder Parkplatz mit Klo- und Duschcontainern liegt erheblich außerhalb der Stadt. Der Weg dahin beginnt mit einem Geschicklichkeits-Parcour, rückwärts hinunter auf die enge Einbahnstraße, über den Gehweg an einem DHL Sprinter vorbeizirkeln schließlich auf eine Schotterstraße, die steil bergab führt und mit Kratern übersät ist, als wäre auch hier der Karstboden eingebrochen. Dann weist Google auf die Autobahn, auf die man über einen Gehweg einfädelt. Nun kommt die Aquaplaning-Prüfung, es kübelt so vom Himmel, dass das Wasser bestimmt 10 cm hoch auf der Straße steht. Aber wir erreichen den Campingplatz unbeschadet und finden einen ganz guten Platz am Rand, nicht zu weit von den Duschcontainern. Kurz danach parkt ein Rotel-Tours Bus hinter uns, dass ist aber für uns nicht schlimm, denn die Rotel-Touristen werden schon um 8 Uhr morgens wieder weitergefahren.
Das Wetter klart auf und wir fahren mit dem Rad in die Stadt, auch das eine Nervenprobe, denn die Stadt ist zu 100% auf das Auto fokussiert. Der ‘Radweg’ entlang der Brücke über die Neris, die wir queren müssen, ist nur weinige Zentimeter breiter als der Lenker.
Wir schauen uns ein wenig in der Altstadt um und finden das Restaurant ‘Lokys’ in einem Haus aus dem 15. Jahrhundert. Der Abgang in die Katakomben ist niedrig und super eng, unten sitzt man in einem Tonnengewölbe aus uralten Ziegelsteinen. Es gibt typisch litauische Kost, z. B. die berühmten Cepelinai (Zeppelin-förmige Knödel mit Füllung). Für den Heimweg, eigentlich schon im Dunkeln, fahren wir die Schleifen am Fluss Neris entlang, der Weg ist zwar länger, dafür aber deutlich flacher und vor allem autofrei!




