Kuressaare und die Halbinsel Sörve

In Kuressaare, der größten Stadt auf Saaremaa, finden wir einen Peugeot Händler, der die Ursache der leuchtenden Motorkontrollanzeige findet und beheben kann, ein Problem in der Abgasreinigung. Wir sind beruhigt, dass es nichts schlimmeres war. Während das Auto in der Werkstatt ist, fahren wir mit dem Fahrrad in die Stadt zum Frühstücken und auskundschaften, was wir hier noch machen wollen. Besonders bemerkenswert ist das Schloss Arendsburg, erbaut im 14. Jahrhundert, welches seit über 100 Jahren ein historisches Museum beherbergt. Die Burg hat 4 Ebenen, die extrem verwinkelt und unübersichtlich sind. Das Museum hat zigtausende Exponate, von der Steinzeit bis heute, die in Vitrinen dicht gepackt zur Schau gestellt werden, erklärende Schildchen in Estnisch und Russisch. Möchte man zu Beginn noch diese und jene gefundene Tonscherbe oder altes Werkzeug genauer inspizieren, geht einem ziemlich bald die Luft aus. Als man dann in der 4. Ebene im 20. Jahrhundert ankommt und es richtig interessant würde, fehlt längst jede Konzentration und selbst der Weg zurück ins Freie wird eine echte Herausforderung. Ein historisches Museum, leider nur für die kleine Zielgruppe der pensionierten estnischen Historiker mit unendlich viel Zeit.

Wir fahren auf die schmale Halbinsel Sörve, an deren äußersten Ende ein 1960 errichteter Leuchtturm steht. Dort darf man seinen Camper an verschiedenen Stellen neben der Straße am Ufer der Ostsee für die Nacht abstellen. Die Aussichtsplattform des Turms in 45m Höhe kann gegen eine ziemlich hohe Gebühr über 254 Stufen erklommen werden. Oben pfeifft uns der Wind kräftig um die Ohren. Weiter draußen gibt es Sandbänke auf denen sich hunderte Kormorane ausruhen.

Die Halbinsel ist strategisch bedeutsam, da von hier die Einfahrt zur Rigaer Bucht kontrolliert werden kann. Im 2. Weltkrieg fanden hier verlustreiche Schlachten statt, 1941 eroberte die Wehrmacht die Insel Saaremaa, 1944 war die Rote Armee zurück und Saaremaa blieb bis zur Unabhängigkeit Estlands deren militärisches Sperrgebiet. Es liegen immer noch Kriegsüberreste verstreut herum.

Neben dem Leuchtturm gibt es ein Restaurant mit sehr leckeren Speisen zu fairen Preisen, heute muss nicht selber gekocht werden. Rechtzeitig vor dem heftigen Gewitter sind wir zurück im Camper.

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