Bootsfahrt auf der Memel, mit dem Sensenmann?

Von Vilnius geht die Fahrt in den Kurort Druskininkai an der Memel. Am Weg durch die Kiefernwälder stehen in den Einfahrten der zahlreichen Forststraßen häufig Autos mit einem kleinen Campingtisch davor, auf dem Blaubeeren und Pfifferlinge feil geboten werden. Bei dem Fahrtempo ist es ein heikles Unterfangen anzuhalten, aber es drängte auch zu einer Pinkelpause und die haben wir genutzt, um gleich einen großen Becher für 4 € einzutüten.
Angeblich ist Druskininkai eines der ältesten Heilbäder Europas, mit einem Schönheitsbrunnen, der von der tiefsten Quelle gespeist wird. Der Ort selber war noch nicht beim Baden und ist daher sehr hässlich, zudem typisch litauisch, was den Besuch von Restaurants angeht – man wird einfach nicht bedient und irgendwann gehen wir wieder, in unserem Fall ins nächste Café, wo man an der Theke dann doch bedient wird.
Wir wollen auf der Memel eine Bootstour mitmachen. Vor der Anlegestelle wird das hohe Gras am steilen Hang mit Motorsensen nervtötend gestutzt. Als die Männer ihre Visiere hochklappen, klappt bei uns die Kinnlade runter. Die beiden gehen locker mit 80+ durch. Wahrscheinlich ist das eher traurig, dass so alte Menschen noch schwer körperlich arbeiten müssen, weil die Rente nicht reicht?
Als wir das Boot besteigen, sind wir uns nicht sicher, ob die Sensenmänner nun zum Kapitän und 1. Offizier aufgestiegen sind, denn die Besatzung ist genauso alt und zahnlos.
Flussab geht es durch unberührte Ufer bis zu einer von den Einheimischen als berühmt eingestuften Barockkirche vor der im Ufer angelandet wird.

Der Weg hinauf zur Kirche führt durch ein ‘Dorf’, eher eine Ansammlung von Holzhütten mit Hühnern, die genauso auch im ländlichen Südostasien stehen könnten.

Die Kirche wird von der ‘Reiseleiterin’ intensiv erläutert, in Litauisch, Russisch, Polnisch, wir verstehen natürlich nichts (bestenfalls erkennt man die gerade gesprochen Sprache als solche), bekommen aber ein kleines Exzerpt in Englisch zugesteckt. In den Katakomben liegen einige Särge mit Plexiglasdeckeln; ob die Eingesargten dem zugestimmt hätten?

Auf der Rückfahrt geht es sehr lustig zu, der Kapitän zitiert uns auf ‘die Brücke’, um ein paar Späßchen mit uns zu machen, auch durften wir mal steuern, nicht ohne markig-russische Korrekturen seinerseits, während die polnischen Gäste auf dem Deck ‘Titanic-Shootings’ machen. So wurde das doch noch ein sehr vergnüglicher Nachmittag, trotz der Sprachbarriere – es sind ja auch nur noch ganz wenige Kilometer bis nach Belarus.

Es wäre ein gemütlich Abend am Campingplatz geworden, wären da nicht die Pfifferlinge zu putzen gewesen…

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