Rund um die Rigaer Bucht

Die Nacht war unruhig, der Camper wackelt im Sturm wie bei einem Erdbeben. Der Regen prasselt stundenlang gegen Dach und Fenster. Das Reetgras hat jeden Widerstand aufgegeben und fügt sich flach seinem Schicksal. Am Morgen, gegen 7, ein Wunder, binnen Minuten reißt der Himmel auf, die Sonne blendet durch das Fenster aus Osten, im Westen ist der Himmel fast schwarz – bis auf den Regenbogen. Das Gras fängt wieder an sich im Wind zu wiegen, auf der Wiese steht noch das Wasser und die Fahne sieht nach dieser Nacht nicht mehr gut aus.

Wir fahren über den Damm nach Muhu in die legendäre Bäckerei, stehen eine halbe Stunde in der Schlange und müssen mit ansehen, wie die alten Frauen aus dem Ort, vorne in der Schlange, das berühmte Schwarzbrot hamstern, bis sie es nicht mehr tragen können – als wir an der Reihe sind: Ausverkauft. Das Gebäck ist zwar auch sehr lecker, würde aber die Mühe des Anstehens nicht rechtfertigen.

Am Fährhafen hinüber auf’s Festland ist viel los, alle drei Fähren fahren in kurzem Abstand, voll bis unters Dach.

Mit ordentlichem Rückenwind geht es nach Süden, entlang der Rigaer Bucht, vorbei an Pärnu und wieder zurück nach Lettland. Dort gibt es noch eine kleine Attraktion, ein paar Meter Sandsteinklippen mit kleinen Höhlen und schwer um ihr Gleichgewicht kämpfenden Birken. Vom Verzehr des gefundenen Aals rät die Gattin dringend ab.

Für diese Reise die letzte Nacht am Meer verbringen wir auf dem Hochufer eines kilometerlangen Strands, mit Findlingen verstreut im rötlichen Sand. Die Wolken malen Bilder in den Himmel, wie man es nur am Meer erleben kann. Es reift die Erkenntnis, dass die Ostsee nicht nur eine langweilig, sandig braune Brühe ist, wie ein Leben lang vermutet.

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