beginnt bei uns, wie in fast jeder neuen Stadt mit einer Turmbesteigung für den Überblick. Hier ist es der Turm der Olafs-Kirche, der über reichlich steile und enge 258 Wendeltreppenstufen zu erklimmen ist.

Die Altstadt von Tallin ist immer noch von einer weitgehend intakten Stadtmauer umgeben, auf der man streckenweise entlanglaufen kann.



Erstaunlich ist, dass es in dem völlig flachen Estland außer ein paar Dünen einen richtigen (Dom-) Berg in der Stadt gibt, der zusätzlich befestigt ist. Dort oben liegen, dicht gepackt, in einem Gewirr von Gassen das Parlament, der Präsidentenpalast und etliche Ministerien sowie einige Botschaften. Nicht der schlichte Dom sondern die ehemals russisch-orthodoxe Kirche dominiert den Berg schon von weitem.




Die Altstadt ist voll von oft jahrhundertealten Häusern. Die roh gepflasterten Straßen sind (im Prinzip) autofrei, eng und alles, außer gerade. Das bedingt auch einen oft spitzwinkligen Grundriss der Häuser, manchmal auch nur winzig klein in eine Lücke gepfriemelt. Stattliche Häuser finden sich am Rathausplatz.
Die Altstadt hat sich dem intensiven Tourismus ergeben, im Erdgeschoss der Häuser ist entweder eine Restauration oder ein ‘Museum’, gerne auch in Kombination (=> Schokoladenmuseum), ‘jedes dritte Haus’ ist ein Hotel, der Rest Büros oder Touristen-Apartments. Die Stadt ist, wie übrigens auch in Litauen und Lettland mit unzähligen Kameras gespickt. An der russischen Botschaft hat man den Eindruck, dass sogar die Kameras von anderen Kameras überwacht werden.





Zum Frühstück sind wir in einem kleinen Café mit Plätzen draußen in der Sonne und bekommen eine drollige Mischung serviert, Ei im Croissant, Reiberdatschi mit Sauerkraut, Lachs, Würstchen, Avocado…
Am Nachmittag sind wir im Schokoladenmuseum in einem sehr hübschen Innenhof zu Gast, das Highlight kommt aber am Abend im Restaurant Rataskaevu, einem angesagten Laden in altem Gemäuer, in dem man nur mühsam eine Reservierung erhält- wir sind schon um halb 6 dort und bekommen sofort einen Platz. Das Essen ist sensationell, auch wenn man bei Spareribs erstmal skeptisch ist, das waren die besten ever. Der Ober ist nicht nur aufmerksam und erläutert die Speisen sondern interessiert sich auch für seine Gäste, small talk mit der Bedienung, in Lettland undenkbar. Mit den Australiern am Nachbartisch kommen wir auch ins Gespräch und müssen dann kräftig in die Pedale treten, damit wir die 6 Kilometer zurück zum Campingplatz rechtzeitig schaffen, denn der Aufseher geht um 8 heim und wir müssen vorher unsere weitere Übernachtung bezahlen.




Tallin hätte auch einige sicherlich interessante Stationen zur jüngeren Geschichte: Freiheitskampf, Weltkriege, russische Besatzung, Unabhängigkeit. Diese Historie teilen alle baltischen Staaten in ähnlicher Weise und wir erlauben uns, darauf zu verzichten, da wir zu dem tristenThema schon in Riga genauer hingeschaut haben.
