Auf der Fahrt zur Nordküste Estlands, am finnischen Meerbusen, kommen wir durch eine fast menschenleere Landschaft mit riesigen Kornfeldern, in denen die Ernte eingefahren wird (was aber sicher ein paar Wochen dauert, selbst mit den großen Maschinen, die unterwegs sind). Nah der Küste, schon im Nationalpark Lahemaa, liegt der Gutshof Palmse an unserem Weg. Einen alten Gutshof zu besichtigen gehört zum Pflichtprogramm im Baltikum. Besichtigungen leiden, wenn man sie mit knurrendem Magen macht, deswegen stärken wir uns vorher in einer Gaststätte, die authentisch russischen Charme versprüht. Die Bewirtung im fensterlosen Blockhaus funktioniert im Kantinenprinzip, der panierte Hering mit mayonnaise-schwangeren Beilagen ist aber durchaus genießbar.


Der Gutshof Palmse ist Jahrhunderte alt und wurde von der deutschen Adelsfamilie, von der Pahlen, seit dem 17. Jhd. geführt und stetig erweitert. Im 1. Weltkrieg siedelte die Familie nach Deutschland um und während der russischen Besatzung war das Schloss ein Pionierlager. Nun ist es ein Museum mit originalgetreuem Interieur, teilweise sogar von den ehemaligen Eigentümern, die die Möbel als Leihgabe zur Verfügung stellen. Die Zimmer kann man ungehindert durchstreifen, die Arrengements und das schöne Parkett bewundern. Auch die Nebengebäuden, eine Orangerie, eine Destille sind zugänglich und man erfährt, dass die Roggen-basierte Wodka-Brennerei mit der Belieferung St. Petersburgs (den Zaren eingeschlossen) die Haupteinnahmequelle für den Hof war.








Der Lahemaa Nationalpark ist bekannt für die großen Findlinge an der Küste, die die Gletscher in den letzten Eiszeiten hier abgelegt haben. Wir umrunden ein Kap auf einer 4 stündigen Wanderung, die in großen Teilen auf einem Trampelpfad dicht am Strand verläuft, ein ausgesprochen schöner Weg, durch die Abendsonne besonders ausgeleuchtet.







Der Zeltplatz liegt fast direkt am Meer, zumindest sehen wir es durch ein paar Bäume hindurch von unserem Stellplatz. Sogar eine Sauna gäbe es, aber nur auf Voranmeldung, dafür haben wir keine Zeit…
