Lange in die Nacht hinein sind weitere Gewitter über uns hinweg gefegt. Der Sturm hat die Ostsee aufgepeitscht und es wurde so laut, dass wir die Fenster schließen mussten, um schlafen zu können. Am Morgen ist der Spuk vorbei, beim Kaffee wärmt uns die Sonne den Pelz. Diese Möve mag keine nassen Füße, die 100 anderen belästigen mit ihrem Gekreische die Fischer, die ihrer Arbeit nachgehen. Am Horizont wacht die Marine; ein winziges Puzzlestück der Zeitenwende, aber sichtbar und durchaus willkommen.



Zum 2. Frühstück kehren wir ein, in ein kleines, putziges Café mit Windmühle. Auch hier ist die Tochter für die Kuchen zuständig. Weitere Windmühlen wollten wir am Nachmittag besichtigen, aber der Eintritt wurde einfach mal verdoppelt, da haben wir Abstand genommen, Windmühlen sind uns ja nicht gänzlich neu. Das interessante Konzept hier auf Saaremaa war, das ganze Mühlenhäuschen drehbar zu lagern und mit einem langen Balken in den Wind zu drehen.


Wir kommen vorbei an einem Stück Strand, der nur aus flachen Steinen besteht, prädestiniert für’s Steinmandl bauen. Das haben hunderte Menschen schon gemacht, da findet sich kaum ein Platz für eigene Kreationen. Die angeschwemmte rote Malerrolle wollte unbedingt eine tragende Rolle in meiner ‘Leuchtturm’-Installation spielen.



Estland ist eigentlich sehr flach, da sind Klippen mit einer Höhe von 21 m schon eine Sensation, zu finden in Panga Pank (das Estnische ist schon komisch). An einer Stelle kann man sich sogar abseilen und am schmalen Strand entlang laufen, höchst bedroht durch Felsbrocken, die nur durch Anhusten herunter krachen könnten. Wie immer, wenn man sich wenige Meter vom trubeligen Parkplatz entfernt, ist man ganz alleine und genießt in aller Ruhe die wechselnde Lichtstimmung der dahinrasenden Wolken, untermalt von der kräftigen Brandung.






Unser Nachtquartier wird eine große Wiese an einem kleinen Hafen, ein alternativ angehauchter Campingplatz, kreativ oder chaotisch, je nach Sichtweise. Das Klo z.B. hat zwei Schüsseln in der Kabine. Beim Abendessen, man glaubt es kaum: Ein Burger, unter einem halbwegs wetterfesten Dach, prasselt wieder der Regen herunter. Der hört aber gnädigerweise auf, bevor wir in den Camper zurückkehren. Es ist ganz schön kalt geworden.
