1500 Kilometer bis Litauen, geschafft

wir waren die Vorletzten, die den Campingplatz verlassen haben, aber immerhin eine Stunde früher als gestern – wobei, wenn man die Zeitverschiebung nach Litauen schon mal einpreist, war es spät wie immer. Nach dem Einkauf im örtlichen Supermarkt sind wir schnell wieder auf der Autobahn. Bis Warschau ist es nur noch eine knappe Stunde. Im Großraum der Hauptstadt wird der Verkehr wie erwartet sehr stark, vielleicht auch ‘Wochenende in die Datscha Verkehr’, und wir stehen wieder eine Weile im Stau. Ohne eine Warnung fehlt plötzlich auf der halben Autobahn der Asphalt und auf der mittleren Spur fährt man ein wenig schief. Das wäre für sich kein Problem, wenn nicht das Ende der Fräsung hart wie ein Bordstein unvermittelt quer zur Fahrbahn liegt in das die rechten Räder bei Tempo 100 rein krachen – zum Glück ohne zu platzen, alles etwas gröber hier.

Nach ungefähr der halben Fahrzeit geht es wegen einer Baustelle einige Kilometer auf der Landstraße weiter, das gibt die Gelegenheit ein nettes, klimatisiertes (!) Cafe zu finden, in dem wir etwas auskühlen, denn draußen hat es mindestens 30°. Ab hier ist die Autobahn fast leergefegt, die Landschaft wird etwas abwechslungsreicher, mit ein paar Hügeln und ab und zu schütten die schönen weißen Wolken kräftige Schauer nach unten – ein paar Windräder stehen in der Landschaft, sonst könnte man sich glatt im Voralpenland wähnen.

Google vermeldet eine Sperre auf der Autobahn in Richtung Kaunas und leitet uns über einen anderen Grenzübergang nach Litauen. Es geht über eine abwechslungsreiche Landstraße die erst schmal, dann schmäler und schließlich ein einspuriger besserer Feldweg wird. Traktoren mit Erntemaschine kommen uns entgegen und wir haben Zweifel, ob das nicht irgendwann einfach im Wald endet. Die ‘Grenze’ liegt tatsächlich mitten im Wald und dort steht ein halbes Dutzend schwer bewaffnete GrenzschützerInnen auf einem Forstweg und winken uns freundlich weiter. Natürlich kann man da kein Foto machen, obwohl diese surreale Szenerie das wirklich wert gewesen wäre. Kurz danach endet der schmale Asphalt und weiter geht es auf Wellblech-Schotter. Solch aberwitzige Grenzübergänge kennen wir aus Panama und Nicaragua, aber in Europa… Irgendwann kommt wieder etwas Asphalt, dann eine Straße, dann eine Straße mit Mittelstreifen und dann eine Straße mit Nummer nach Marijanpole und dann sind wir schon am Ziel, ein an einem See gelegener hübscher, bestens organisierter Campingplatz. Die erste Aktion in Litauen – in dem pisswarmen See baden gehen, hätten wir auch vorher nicht vermutet.

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