Memelland

Am Vormittag fahren wir das kurze Stück zurück nach Trakai, einem Touristen-Hotspot in Litauen. Direkt hinein ins Zentrum mit dem Camper ist schon etwas gewagt, aber die hohen Parkgebühren (praktisch wie in München) lassen uns sofort einen passenden Platz finden, praktischerweise über ein App zu zahlen, bei der man einfach Start und Ende der Parkzeit mit einem click bestätigt und mit noch einem click bezahlt – dann muss man sich nicht vorher festlegen, wie lange man bleiben will, funktioniert angeblich im ganzen Baltikum.

Hauptattraktion ist die Wasserburg Trakai, in Litauen in ihrer historischen Bedeutung vielleicht vergleichbar mit Schloss Herrenchiemsee und entsprechend gut besucht. Die Burganlage wurde im 15. Jahrhundert in einem See erbaut, war im Laufe der Zeit ‘ruiniert’ worden und wurde ab dem 20. Jhd. sukzessive wieder aufgebaut und ist auch aktuell teilweise eingerüstet um die Dächer neu zu decken.

Im Inneren der Burg findet sich, über viele Räume verteilt, ein Museum mit Relikten aller Jahrhunderte, die man in dieser Burg gefunden hat oder die thematisch hierher passen. Die museale Aufarbeitung ist leider sehr altbacken, man wünscht sich etwas mehr Führung und Einordnung, nicht nur schwach beleuchtete Schaukästen. In Erinnerung bleibt uns aber eine originelle Pfeiffensammlung.

Nach dem Rundgang durch die Burg trifft es sich perfekt, dass in wenigen Minuten eine Rundfahrt über den See mit seinen vielen Inseln angeboten wird. Wir sind dabei, auch wenn der Magen um 13:00 mangels Frühstück anderer Meinung ist.

Zurück von der Bootstour ist es aber nicht weit bis zu einem Karäischen Spezialitäten Restaurant. Karäer waren eine jüdische Sekte auf der Krim, die vom Großfürsten als Palastwachen für sein Schloss Trakai angeworben wurden. Kulinarisch handelt es sich um variantenreich gefüllte und dann gebackene Teigtaschen, Kibinai. Die ‘Altstadt’ besteht aus zahlreichen bunten, etwas abgeblätterten Holzhäusern, mit drei Fenstern zur Straße, eins für den Hausherrn, den Fürsten und den Herrgott. Für den Cappuccino wählen wir uns dann das ‘Schokoladenmuseum’ mit seinen vielen Pralinensorten aus.

Dann fahren wir zurück Richtung Kaunas und anschließend auf einer landschaftlich sehr schönen Landstraße entlang der Memel (Nemunas), wo wir auf einem Rastplatz direkt am Wasser für die Nacht parken, da werden wir die einzigen bleiben. In der Dämmerung schwimmt was merkwürdiges in der Memel, ein Wurzelstock? Mit dem Fernglas entpuppt es sich als Kopf eines Hirschs oder kleinen Elchs mit jedenfalls großen Ohren, der die hier bestimmt 300 Meter breite Memel durchschwimmt und lebend am anderen Ufer ankommt, erstaunlich!

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