Nach einem kleinen Einkauf im verregneten Jurbarkas geht es durch große Wälder auf sehr welliger Landstraße weiter nach Westen, der Sonne entgegen, sofern sich das Regenradar nicht irrt. Erster Halt, schon fast aus dem Regen, ist eine ungewöhnliche Kombination aus Storchenkolonie und Freilichtgalerie, ungeklärt, welche der Attraktion hier zuerst war. Die Bilder von unterschiedlichen Malern sind bewusst der Witterung ausgesetzt. Viele der Werke sind wirklich kreativ mit dem Setting in der Wiese verbunden. Die Storchenkolonie gleich nebenan ist in zweifacher Hinsicht bemerkenswert, erstens, weil Störche normalerweise nicht in Kolonien brüten und zweitens weil sie die Nester in Kiefernwipfeln erbaut haben und nicht auf zivilisatorischer Infrastruktur. Die Jungvögel sind im Prinzip flügge, lassen sich aber noch füttern, klappern gehört zum Handwerk…, solange die Alten noch mitspielen. Die Memel, die nur wenige 100 Meter südlich von uns fließt, bildet hier die Grenze zu Russland/Kaliningrad, – völlig unauffällig und doch etwas gruselig.






Noch ein paar Kilometer und ein Moor lädt zu einem kleinen Spaziergang auf einem nett angelegten Holzbohlenweg ein. Der Blick geht sehr weit, aber am Horizont sieht man auch die Bagger den Torf abbauen, also ein etwas zweifelhaftes Vergnügen.




Für’s Mittagessen steuern wir ein Fischlokal an, welches direkt neben großen Fischteichen erbaut wurde, wir wählen aus den vielen Karpfensorten einmal den Graskarpfen und ich lieber den Wels, eine kulinarisch ganz hervorragende Wahl, wie sich herausstellt.
Nun sind es nur noch wenige Minuten Fahrt zum Haff, wo wir einen Verdauungsspaziergang machen und den Windsurfern zuschauen, die bei dem strammen Westwind ideale Bedingungen vorfinden. Auch die Sonne lässt sich blicken und bis zum Abend wird der Himmel fast wolkenlos werden. Letzter Stopp des Tages ist der kleine Leuchtturm Ventes, dessen Gebäude mittlerweile als ornithologische Forschungsstation genutzt werden. Mit großen Netzen können Zugvögel zu Forschungszwecken gefangen werden. Die Schwalben allerdings nutzen das Dach, ohne der Forschung dienlich zu sein.



Der Campingplatz Ventaine, mit perfektem Rasen und wenigen anderen Campern liegt grandios am Ufer des Haffs mit weitem Blick auf die Kurische Nehrung, die wir morgen besuchen werden. Unzählige Muscheln und Schneckenhäuser sind noch nicht zu Sand zermahlen und füllen in knirschenden Haufen den Strand.
Heute genießen wir zum Nachtisch nur noch ein Bier und den Sonnenuntergang hinter der Kurischen Nehrung.



