Das absolute Halteverbot auf dem Campingplatz wird anfangs nicht ernst genommen und massenhaft missachtet, dann bessert sich die Lage und die Zufahrt ist wieder frei.


Unsere erste Station ist Liepaja, mit 80.00 Einwohnern eine der größeren Städte in Lettland und zudem bedeutende Hafenstadt. Wir wollen die Innenstadt und dort besonders die Markthalle besuchen, zum Einkaufen und natürlich auch aus touristischem Interesse. Den ganzen Vormittag regnet es schon, mal normal, mal wie aus Kübeln, dazu weht ein strammer, böiger Wind von der Ostsee. Ideale Verhältnisse für einen Stadtbummel, mit großem Regenschirm, besonders in Begleitung einer überaus wasserscheuen Gattin. Zum Glück sind die Distanzen nicht groß und die Markthalle bietet nicht nur eine große Auswahl an landestypischen Spezialitäten sondern vor allem – ein Dach über dem Kopf. Wie immer auf solchen Märkten, kaufen wir über das vernünftige Maß ein. Die Pfifferlinge sind verlockend günstig und für’s Abendessen ist damit der Hauptgang eingetütet.



Zur Brotzeit mit den Einkäufen vom Markt fahren wir über eine Brücke Gustave Eiffels in den nördlichen Stadtteil, vorbei an einem militärischen Gelände direkt ans Meer. Der Sturm peitscht den Regen waagrecht gegen die Fenster und wir verlassen das Auto auf keinen Fall. Draußen spielen sich unwirkliche Szenen ab: Aus den ankommenden Autos steigen Familien in Badeanzügen aus, kämpfen sich durch den Sturm in die Wellen und steigen nach einer Weile genauso nass, wie sie aus dem Wasser gekommen sind in ihr Auto und fahren wieder ab, derweil ein Muslim seinen Gebetsteppich akkurat nach Osten ausrichtet, sich hinkniet und nach kürzester Zeit bis auf die Haut durchnässt sein muss, bevor er nach dem langen Gebet genauso nass wie die Badenden wieder in sein Auto steigt. Der Windsurfer ist in seinem Neopren geradezu ein (einheimisches) Weichei.



Zu Sowjetzeiten war die Stadt Liepaja militärisches Sperrgebiet und ein großer Marinestützpunkt der Roten Armee. Die Soldaten wurden in Plattenbauten untergebracht, die heute noch genauso aussehen, wie man das aus dieser Zeit in Erinnerung hat, auch die dort lebende Bevölkerung macht einen dazu passenden Eindruck, viele alte und arme Menschen. Mitten drin steht eine der wenigen Sehenswürdigkeiten der Stadt eine russisch-orthodoxe Kirche stattlichen Ausmaßes und ebenso reichlich vergoldet. Man bekommt ein wenig Verständnis für die Schmach, die die Russen empfinden mögen, all das mit der Unabhängigkeit der baltischen Staaten ‘an die Nato’ abgetreten zu haben.



Am Nachmittag hört der Regen auf und wir besuchen eine alte Artillerieanlage zum Küstenschutz aus der Zarenzeit, die von der Ostsee mittlerweile gründlich zerlegt wurde, aber als Kulisse für Sprayer taugt sie sehr gut.




Weiter geht es nordwärts zu einem Abschnitt der Küste mit Steilufer, für uns ein wenig Bewegung am Strand. Dann fahren wir ins Landesinnere in das kleine Städtchen Kuldiga, ‘berühmt’ für den breitesten Wasserfall Lettlands (allerdings kaum einen Meter hoch) und eine Römerbrücke über den Fluss Venta. Die Einheimischen nehmen darin gerne ein Schaumbad und werden nach verlassen der ‘Wanne’ mit klarem Wasser aus dem Himmel abgeduscht.






Oberhalb des Flusstals finden wir einen größeren Parkplatz, auf dem wir unser Wohnmobil in aussichtsreicher Lage für die Nacht abstellen, da werden sich im Laufe des Abends noch einige andere dazugesellen, aber den Premiumplatz haben wir! Die Sonne im letzten Bild war ein echter Schnappschuss mit 1/80 sek, dann war sie wieder weg.
